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in Gläschen in Ehren kann niemand verwehren. Getreu diesen Mottos schenkt sich der eine oder andere gern einen Wein, ein Bier oder einen Schnaps ein. Es dient der Entspannung und gehört zu einem geselligen Beisammensein einfach dazu. Der stimmungshebende Effekt vom Alkohol lässt die Sorgen am Arbeitsplatz, mit den Kindern oder dem Partner nicht mehr so groß erscheinen. Doch gerade bei Männern wird Alkohol so schleichend zum festen Ritual. Zwar trinken auch Frauen zur Stressbewältigung, aber Untersuchungen zeigen, dass sie in der Regel zu anderen echten oder vermeintlichen Stresskillern greifen. Ob Mann oder Frau: Wann liegt ein Suchtproblem vor? Wie steht dies mit einem Burnout in Zusammenhang? Hier liest du hilfreiche Antworten auf wichtige Fragen.

Selbstmedikation bei Burnout: Alkohol zum Stressabbau

Bei dem Burnout handelt es sich um einen chronischen Erschöpfungszustand, der seinen Ursprung in unzureichenden Stressbewältigungsmechanismen des Einzelnen und äußeren Faktoren hat. Bei den äußeren Faktoren handelt es sich beispielsweise um den Job, die Rolle als Elternteil, den Partner oder das Studium. Über einen langen Zeitraum hat der Betroffene gar nicht bemerkt, wie sehr er sich bereits in der Stressfalle befindet. Wenn er es erkennt, findet er keinen Weg heraus. Daran können ihn Persönlichkeitsmerkmale wie ein übertriebener Perfektionismus, ein überzogenes Aufopfern, ein immenses Pflichtbewusstsein und/oder andere Charaktereigenschaften hindern. Um weiterhin zu funktionieren, suchen einige Burnout-Betroffene ihr Heil in Suchtmitteln wie Alkohol. Die Flasche Wein am Abend soll den Stress in den Hintergrund drängen. Dass das auf die Dauer den Burnout-Betroffenen zusätzlich auspowert, ist verständlich. Zudem sorgt das Trinkverhalten dafür, dass nun nicht nur das Burnout, sondern ebenso der missbräuchliche Alkoholkonsum behandelt werden müssen.

Greifen nur Top-Manager zum Alkohol bei Burnout?

Nein. Das Vorurteil hält sich hartnäckig, aber es stimmt nicht. Es scheint allerdings eine Korrelation zwischen der Anzahl der Arbeitsstunden pro Woche und dem Alkoholkonsum zu geben. So trinken Menschen, die viel arbeiten, häufig mehr - das besagt eine internationale Meta-Studie der Harvard School of Public Health. Insbesondere bei Menschen, die mehr als 49 Stunden pro Woche arbeiten, ist der Alkoholkonsum oft erhöht. Sie sagen zudem aus, dass sie sich nach dem Arbeitstag lethargisch und innerlich leer fühlen. Wie hoch die Verantwortung in ihrem Job ist, ist laut Studie sekundär. Zum Extraglas Schnaps oder Bier greift der Top-Manager ebenso wie der Handwerker.

Wieso ist Alkohol zur Entspannung so schlecht?

Betroffene eines Burnouts suchen besonders viel Entspannung. Ein sehr einfacher Weg, die Erschöpfung und das Ausgebranntsein temporär nicht mehr zu spüren, ist ein übermäßiger Konsum von Alkohol. Doch der Schein trügt. Alkohol hebt die Stimmung nur kurz und entspannt auch nur für einige Momente. Mittel- und langfristig schlägt er eher aufs Gemüt. Das liegt daran, dass es sich um eine depressiogene Substanz handelt, die depressive Verstimmungen verstärken und sogar auslösen kann. Gerade für Betroffene eines Burnout ist das dramatisch, da sie viele Symptome einer Depression zeigen oder sogar depressiv sind. Mit diesem allgegenwärtigen Tranquilizer kann sich demnach eine kontraproduktive Eigendynamik entwickeln. Der Alkohol verstärkt den Erschöpfungszustand und damit depressive Zustände. Der Betroffene findet sich in einem Teufelskreis wieder.

Wieso hat Alkohol so eine entspannende Wirkung?

Das wohlige Gefühl nach dem Alkoholkonsum ist trügerisch. Alkohol ist ein Betäubungsmittel, welches die Erregbarkeit einiger Nervenzellen mindert und die Ausschüttung vom Stresshormon Cortisol verringert. Gleichzeitig setzt das Hirn Endorphine frei, wodurch wir uns zufriedener fühlen. Belastende Gedanken und der Stress scheinen nicht mehr präsent zu sein. Das verändert sich allerdings mit der Zeit. Etwa nach zwei Stunden verfliegt die Wirkung und der Körper ist nun gegen den Stress noch weniger gewappnet. Was jetzt? Oft folgt eine erneute Betäubung mit Alkohol.

Kann ein erhöhter Alkoholkonsum ein Warnzeichen für ein aufkommendes Burnout sein?

Ja, das ist durchaus möglich. Wer fühlt, er kann nur noch Entspannung mit Alkohol finden, der sollte dies als Warnsignal wahrnehmen. Es liegt unter Umständen bereits ein ernsthaftes Suchtproblem in Kombination mit einem Burnout vor. Dieses Problem kleinzureden, hilft nichts. Bier, Wein und Co. lassen sich zwar legal kaufen, aber bei einem Missbrauch richten sie einen immensen Schaden an Geist sowie Körper an. Es ist ein Irrtum, dass der Stressabbau durch Alkohol schneller gelingt. Stattdessen wird er verzögert, was gerade für chronisch ausgebrannte Personen schädlich ist. Letztlich gelangt der Organismus schneller an seine Leistungsgrenzen. Oft versucht der Körper sogar weitere Ressourcen zu mobilisieren, aber diese sind durch zu viel Stress und einen hohen Alkoholmissbrauch nicht mehr vorhanden.

Wie sieht ein gesunder Umgang mit Alkohol aus?

Alkohol ist ein Nervengift. Darüber sollte sich jeder bewusst sein. Dennoch ist gegen ein Feierabendgetränk nichts einzuwenden, sofern hierbei immer das richtige Maß beibehalten wird. Hinterfrage dich kritisch zu deinem Trinkverhalten:

  • Warum trinke ich?
  • Wie viel trinke ich?
  • Trinkst du vermehrt zur Entspannung?
  • Kreisen deine Gedanken oft um den Alkohol?
  • Hast du dir schon Vorräte an Flaschen angelegt, um Alkohol immer griffbereit zu haben?

Überlege sorgfältig, weshalb du wie viel trinkst. Schleicht sich mit der Zeit ein ungesunder Alkoholkonsum ein, solltest du dagegen steuern. Wenn du glaubst, nach einer Flasche Wein schläfst du besser, täuschst du dich. Mittel- und langfristig verschlechtert sich das Schlafverhalten und damit auch die Stressresistenz. Für Burnout-Betroffene und Burnout-Gefährdete sind Abwehrmechanismen gegen den Stress jedoch besonders wichtig.

Wie kann ich ohne Alkohol mehr Entspannung finden?

Entspannung ist für Burnout-Betroffene besonders wichtig. Alkohol ist kein wirksames Entspannungsmittel. Besser ist es, auf gesunde Stresskiller zurückzugreifen. Hierzu gehören:

  • Hobbys im gestalterischen Bereich
  • Sport (keine Wettkämpfe)
  • Spaziergänge an der frischen Luft
  • Meditation, Yoga und Pilates
  • Filme und Serien
  • Kochen
  • Zeit mit Freunden
  • Wellness

Vielleicht glaubst du, es wäre dir nicht möglich, in deinem stressigen Alltag diese Aktivitäten zu integrieren. Doch du täuschst dich. Wenn du gedankenverloren im Bett eine Flasche Wein gegen die Erschöpfung trinken kannst, dann hast du auch Zeit für Spaziergänge, Kochen oder Sport. Häufig suchen wir uns jedoch Ausreden, warum Alkohol der bessere Stresskiller ist. Er ist allerdings ein falscher Freund, der dich auf Dauer in eine Abwärtsspirale manövriert.

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Photo by Kelsey Chance on Unsplash

Publiziert am
Mar 15, 2021
 in Kategorie:
Maßnahmen

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