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onatelang haben Mama und Papa auf die Geburt des Sprösslings gewartet. Als es endlich so weit ist, will sich bei Mama jedoch keine rechte Freude einstellen. Stattdessen ist sie traurig und niedergeschlagen. Keiner versteht, warum sie nicht glücklich ist – auch sie selbst nicht. Mediziner, Hebammen und Betroffene kennen diese Niedergeschlagenheit. Sie ist keine Seltenheit. Wie eine Wochenbettdepression können auch frischgebackene Mütter ein Burnout entwickeln. Es ist nämlich längst keine reine Managerkrankheit mehr.

Die neue Situation kann stressen

Ganz gleich, ob es das erste Kind oder das dritte Kind ist: Bei Müttern stellt sich nach der Geburt oft rasch eine Doppelbelastung ein, die Dauerstress bedeutet. Sieben Tage die Woche und rund um die Uhr sind sie für das junge Leben da. Im Unterschied zu Top-Managern mangelt es ihnen allerdings an Anerkennung von außen.

Beförderungen, Boni, Gehaltserhöhung: All das erhalten sie nicht. Stattdessen dürfen sie sich von ihrem Umfeld oft noch schlaue Ratschläge anhören.

Eheschwierigkeiten kommen nicht selten noch dazu, denn für Mama und Papa stellt sich eine komplett neue Situation dar. Und als wenn dies nicht schon ausreichend Stressfaktoren wären, zickt oft zusätzlich der Körper herum. Einige Frauen fühlen sich nicht mehr wohl. Sie bemängeln ihre Figur und die Babypfunde. All dies trägt zur Unzufriedenheit bei. Es ist daher wenig verwunderlich, dass einige Frauen unter Erschöpfungszuständen leiden, die letztlich in ein Burnout führen können.

Die psychische und physische Dauerbelastung ruft das Burnout hervor

Mütter leiden sehr häufig an extremen Schlafstörungen. Dazu kommen noch Angstzustände und Spannungszustände, da stets nach Perfektion gestrebt wird. Fragen kreisen durch den Kopf: „Mach ich alles richtig?“ „Merke ich, wenn mein Kind krank ist?“ „Was kann ich besser machen?“

Wie bereits erwähnt, vermischt sich die psychische Überbelastung mit psychosomatischen Beschwerden und körperlichen Beschwerden. Diese Faktoren begünstigen die Ausbildung eines Burnouts, welches sich grundlegend in einer chronischen Erschöpfung begründet.

Alles wird zu viel

Nach der Geburt übernimmt die Mutter oft mehrere Rollen: Hausfrau, Mutter, Partnerin, Schwiegertochter, Tochter. Vielleicht arbeitet sie sogar noch nebenher, um nicht aus dem Job herauszukommen und die Familie finanziell zu stärken. Diese Aufgaben unter einen Hut zu bekommen, ist nicht einfach. Dabei vergessen die meisten Frauen, dass ihre Belastungen ihnen von der Gesellschaft oder Angehörigen auferlegt werden. Wenn sie sich selbst mental anders einstellen, könnten sie direkt etwas gegen die Überbelastung tun.

Stolperstein Perfektionismus

Arbeitnehmer und Unternehmer, die ein Burnout entwickeln, leiden oft an einem unstillbaren Perfektionismus. Bei Müttern ist dies nicht anders. Sie streben danach, alle Rollen perfekt zu erfüllen. Dies erzeugt einen unermesslichen Druck, denn niemand ist perfekt.

Es ist gesund, Schwäche zuzugeben und sich helfen zu lassen.

Doch einige Mütter möchten dies nicht tun. Sie wollen stattdessen die gesellschaftlichen Erwartungen ans Muttersein erfüllen oder sogar übertreffen. Auf Dauer kann dies nicht gut gehen.

Wie zeigt sich das Burnout nach der Geburt?

Ein Burnout ist ein chronischer Erschöpfungszustand. Das aufkommende und sich verstärkende Gefühl des Ausgebranntseins zeigt sich beispielsweise durch folgende Symptome:

  • mangelnde Konzentration
  • stete Müdigkeit
  • depressive Verstimmungen
  • Abwendung vom Kind und Desinteresse am Muttersein
  • Selbstzweifel
  • Aggressionen
  • Weinkrämpfe
  • leicht reizbar
  • Schlafstörungen
  • Appetit- und Sexualstörungen
  • Herzprobleme
  • Schweißausbrüche
  • Kopfschmerzen

Wird nichts gegen das Burnout getan, schreitet es weiter voran. Der Leidensdruck nimmt zu und der Rückzug der Betroffenen verstärkt sich. Der Wunsch nach mehr Distanz zu der Umwelt wird gewählt, um Ruhe und Frieden für sich selbst zu finden. Dennoch wird das Gefühl, dass einem alles über den Kopf hinwegwächst, nicht beseitigt. Stattdessen wird es noch schlimmer. Irgendwann entwickeln sich Selbstmordgedanken, die vereinzelt in Realität umgewandelt werden.

Wie erfolgt die Diagnose für das Burnout-Syndrom?

Betroffene wissen oft nicht mehr weiter. Manche vertrauen sich dem behandelnden Gynäkologen oder dem Hausarzt an, der nach einer ausführlichen Anamnese oft ein Burnout-Syndrom diagnostiziert. Eine echte Diagnose ist es allerdings nicht, denn Burnout ist in Deutschland keine Krankheit. Die offizielle Diagnose lautet daher „Depressionen“.

Bei der Anamnese ist wichtig, dass der Arzt die physischen Symptome nicht außen vor lässt. Auch sie können die Ursache für das Missempfinden sein. So kann beispielsweise eine Schilddrüsenunterfunktion einen Teil der genannten Burnout-Symptome auslösen.

Burnout nach der Geburt: Was lässt sich dagegen tun?

Mütter mit Burnout sind verzweifelt. Um aus dem Burnout herauszukommen, müssen sie jedoch selbst etwas tun. Dazu gehören eine gesunde Lebensführung inklusive einer ausgewogenen Ernährung, hinreichend Schlaf (dafür braucht sie Hilfe von Dritten) und ausreichend Bewegung. Spaziergänge in der Natur, Entspannungstechniken wie korrekte Atmung, progressive Muskelentspannung, Akupressur sowie Wellnessanwendungen können sich als hilfreich erweisen. Diese Maßnahmen bekämpfen nicht nur ein Burnout, sondern sie dienen zudem der Vorbeugung.

Ihr direktes Umfeld kann sie entlasten und sollt Verständnis zeigen.

Unerlässlich ist außerdem, die Einstellung zum Muttersein zu ändern. So ist es wichtig, sich frei von dem Perfektionismus zu machen und sich auf sich selbst zu konzentrieren. Auch eine Optimierung des Selbstbewusstseins trägt dazu bei, gegen das Burnout anzugehen oder diesem vorzubeugen.

Nicht unüberwindbar: das Burnout nach der Geburt

Das Burnout nach der Geburt muss niemanden zum Verzweifeln bringen. Das mag sich zwar so anfühlen, aber es gibt Wege, dagegen anzukämpfen. Wer damit nicht allein fertig wird, sollte sich Hilfe suchen. Selbsthilfegruppen stellen eine Möglichkeit dar. Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, enge Freunde oder Familie mit einzubinden. Sie können zeitweise auf das Neugeborene aufpassen oder die Mutter in anderer Hinsicht unterstützen. Keine Mutter sollte sich dafür schämen müssen, sich in der neuen Mutterrolle unsicher zu fühlen. Gefühle wie diese sind normal. Wichtig ist nur, den richtigen Umgang damit zu lernen.

Obiges Konzept Burnout nach der Geburt hier auch als Infografik. Klicke auf den Lnk oder auf das Bild für einen großen PDF Anblick, und der Möglichkeit die infografik zu drucken. Hier findest Du alle unsere Burnout infografiken.

Infografik Burnout nach der Geburt

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Photo by Guillaume de Germain on Unsplash

Publiziert am
Oct 25, 2020
 in Kategorie:
Kinder

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