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er chronische Erschöpfungszustand Burnout macht auch vor Kindern nicht Halt. Das mag so manchen erstaunen, denn im Allgemeinen wird er eher Managern und Personal aus den Pflegeberufen zugeschrieben.

Doch ein Burnout bei Kindern ist gar nicht so selten.

Eltern können aktiv etwas tun, um die chronische Erschöpfung zu verhindern oder frühzeitig dieser entgegenzuwirken. Hier liest du die wichtigsten Antworten zum Thema Burnout bei Kindern.

Wie zeigt sich ein Burnout bei Kindern?

Klassische Symptome sind:

  • Freudlosigkeit
  • Rückzug von Freunden und Familie
  • Einbruch der Leistung
  • Probleme einzuschlafen oder durchzuschlafen
  • Kopf- oder Bauchschmerzen ohne ersichtlichen Grund
  • Aggressivität
  • Gereiztheit
  • Konzentrationsstörungen
  • im schlimmsten Fall: Suizidgedanken.

Ab welchem Lebensjahr können Kinder ein Burnout entwickeln?

Dies kann bereits sehr früh beginnen. Experten gehen davon aus, dass schon Kindergartenkinder chronisch erschöpft sein können. Sie sind dann oft mit ihren schulischen und außerschulischen Aktivitäten sowie der Situation daheim überfordert. Gerade kleine Kinder sagen zu den Eltern oder Kindergartenbetreuer, dass sie „nicht mehr können“. Oft wird dies jedoch überhört. Die Ansprüche an die Kleinen sind oft hoch. Sie sollen – wie die Erwachsenen – in kurzer Zeit immer mehr schaffen. Hierzu gehören intellektuelle und motorische Ziele. Einige Eltern liefern sich untereinander gar ein Rennen: Welches Kind kann als erstes fehlerfrei lesen? Welches kann schreiben? Welches kann eine Choreografie nachmachen? Dass ihre Kinder einfach nur spielen, wünschen sich viele Eltern nicht mehr.

Die kritischen Zeitpunkte für ein Burnout bei Kindern sind jedoch das Ende der Grundschule mit dem Übertritt zu einer weiterführenden Schule und der Schulabschluss.

Hierbei handelt es sich um Umbruchphasen, die mit einschneidenden Erlebnissen und einem hohen Maß an Unsicherheit einhergehen.

Was führt letztlich zum Burnout bei Kindern?

Der Druck von außen und die hohen Anforderungen der Eltern an den Sprössling sind nur zwei Aspekte, die ein Burnout begünstigen. Die Persönlichkeit des Kindes, die sich gerade erst entwickelt, ist dafür ebenfalls entscheidend. So wird nicht jedes Kind, an das hohe Ansprüche gestellt werden, chronisch erschöpft sein. Sprösslinge, die eher introvertierter sind oder mit einer dominanten Mutter bzw. einem dominanten Vater aufwachsen, neigen eher zum Burnout. Letztlich sind es zahlreiche Belastungsfaktoren in Wechselwirkung mit dem Charakter des Kindes, die ein Burnout heraufbeschwören.

Wieso begünstigt Ehrgeiz ein Burnout?

Ehrgeiz und Perfektionismus sind zwei Charaktermerkmale, die sich manch ein Elternteil von seinem Nachwuchs wünscht. Selbstverständlich können sie zu Höchstleistungen anspornen und große Erfolge im Leben ermöglichen, aber sie können auch zerstörerisch sein. Insbesondere wenn Druck von außen hinzukommt, kann eine gefährliche Mischung entstehen, die das Kind letztlich krank macht.

Welche Kinder sind besonders häufig von einem Burnout betroffen?

Mädchen scheinen eine größere Neigung zu Depressionen und damit auch zum Burnout zu haben.

Sie sind eher bestrebt, den Eltern und Lehrern zu genügen. Oft wollen sie es allen recht machen. Kinder, die über ein Handicap verfügen, neigen ebenfalls stärker zum Burnout. Vielleicht leiden sie unter einer Lese-und-Rechtschreibstörung, Stottern oder haben eine Rechenschwäche. Sie glauben, sie müssten sich besonders anstrengen, um diese Schwäche auszugleichen.

Sichtwort Digitalisierung: Wie kann sie ein Burnout begünstigen?

Es existieren Hinweise, dass ein übermäßiger Konsum von Medien depressive Verstimmungen begünstigen kann. Das beginnt schon bei den Kleinen, die sich wie selbstverständlich in der virtuellen Welt bewegen. Immer erreichbar zu sein, die schönsten Posts zu entwerfen und freche Kommentare in den sozialen Medien zu verfassen, überfordert insbesondere Jugendliche.

Kinder und Jugendliche haben aufgrund der Digitalisierung weniger Ruhephasen.

Vor der Kommerzialisierung der Smartphones trafen sich die Sprösslinge auf dem Spielplatz, dem Bolzplatz oder auf dem Pausenhof. Dort lernten sie Sozialverhalten und übten, sich zu behaupten. Jetzt ist das anders. Sie sind 24 Stunden am Tag mit den anderen verbunden. Mag ein Kind das andere nicht, erfolgen häufig regelrechte „Hetzkampagnen“ über die sozialen Medien. Die Konsequenzen daraus können verheerend sein.

Was können Eltern präventiv gegen Burnout beim eigenen Kind tun?

Praktische Tipps gegen das Burnout für Eltern:

  • Eltern sollten dem Kind einen gesunden Umgang mit den Medien und dem Internet vermitteln.
  • Klare Regeln im Umgang mit dem Smartphone, Tablet und Computer sind wichtig.
  • Kinder und Jugendliche sollten dazu motiviert werden, an der frischen Luft Aktivitäten nachzugehen.
  • Eltern sollten sich nicht zurückziehen, nur weil aus dem Kind ein Jugendlicher wird, der sich scheinbar ihrem Einfluss komplett entzieht. Sie dürfen nicht den Konflikt scheuen!
  • Jugendliche brauchen Grenzen, da sie ansonsten überfordert sind. Deshalb ist es unerlässlich, sie zu begleiten und Schritt für Schritt mehr Freiheiten zuzulassen.
  • Immer im Dialog mit dem Kind und dem Teenager bleiben, ist wichtig.
  • Kinder sollten hinreichend Zeit zur freien Verfügung haben. Sie dürfen dann selbstbestimmt und ohne Leistungsdruck spielen.

Burnout für Kinder erklärt: Wie können Eltern dies tun?

Selbstverständlich gibt es zum Thema Burnout bei Kindern das eine oder andere Buch, welches das Problem erklären kann. Dies dient dem Hintergrundwissen. Entscheidend ist, aufmerksam zu sein und das Kind ernst zu nehmen. Häufig weiß der Nachwuchs sogar selbst nicht, dass er auf eine chronische Erschöpfung zusteuert.

Deswegen kann es auch wichtig sein, den Kindern das Burnout zu erklären, sofern sie bereits alt genug sind.

Manchmal kann es sogar sinnvoll sein, einen übersteigerten Ehrgeiz zu bremsen und in gesunde Bahnen zu lenken.

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Photo by Tadeusz Lakota on Unsplash

Publiziert am
Nov 6, 2020
 in Kategorie:
Kinder

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