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as bedingungslose Grundeinkommen soll den Stress von unseren Schultern nehmen, eine finanzielle Absicherung ermöglichen und der Selbstoptimierung dienen. Klingt dies nicht wunderbar und könnte dies nicht ein Burnout verhindern? Nein! Ein bedingungsloses Grundeinkommen schützt nicht vor einer chronischen Erschöpfung und ist im höchsten Maße systemwidrig.

Was ist ein bedingungsloses Grundeinkommen?

Die Konferenz zur Zukunft Europas – ein politisches Gremium, welches von der Europäischen Kommission und dem Europäischen Parlament einberufen wurde – definiert diese Form des Grundeinkommens wie folgt:

"Es muss ohne Pflicht zu einer Gegenleistung wie z.B. Arbeit und ohne Bedürftigkeitsprüfung ausgezahlt werden. Es muss als monatlicher Geldbetrag und nicht z.B. in Form von Gutscheinen Individuen, nicht Haushalten, zur Verfügung stehen."

In vielen Ländern dieser Welt und auf dem Weltwirtschaftsforum werden solche leistungslosen Zahlungen heiß diskutiert. In Deutschland hat der Diskurs dazu mit der Coronakrise und einer Auseinandersetzung mit einer gerechten Einkommensverteilung innerhalb der Bundesrepublik an Fahrt aufgenommen. Und so setzen sich in der deutschen Hauptstadt Politiker und Soziologen näher mit dem Thema auseinander. Wie wäre es, wenn der Staat jedem Bürger einen gewissen Sockelbetrag zahlen würde? Mit dem Staat ist selbstverständlich die Steuerzahlergemeinschaft gemeint und nicht eine imaginäre Portokasse.

Mit solch einem Grundeinkommen könnte ein Traum vieler Menschen wahr werden. Endlich gäbe es Geld, ohne dafür jeden Tag schuften zu müssen. Würde das Leben nicht deutlich stressfreier sein? Wäre dies nicht auch ein fantastischer Schutz gegen ein Burnout? Wovon wären wir dann noch erschöpft?

Wer einen Schritt weiterdenkt, dem fällt sogleich auf: Ein bedingungsloses Grundeinkommen verhindert kein Burnout. Durch die verstärkte Abhängigkeit vom Sozialstaat, einem Boreout wegen Unterforderung und weiteren Konsequenzen für den Einzelnen sowie die Gesellschaft könnte sich der chronische Erschöpfungszustand sogar erst ausbilden.

Wie verhält sich der Mensch mit einem bedingungslosen Grundeinkommen?

Bei dem angedachten Grundeinkommen handelt es sich um einen Geldbetrag, der das Existenzminimum sicherstellt. Bei ersten Testläufen hierzu handelt es sich um Zahlungen von rund 1.200 €. Ein Leben im Luxus bietet es daher nicht.

Was der Einzelne mit den Euros macht, bleibt - noch und angeblich - ihm selbst überlassen. Wie er sie nutzt, hängt von der Persönlichkeitsstruktur ab:

  • Möglichkeit 1: Ein passionierter Arbeitsloser, der überhaupt kein Interesse am Arbeiten hat, bleibt dank Grundeinkommen weiterhin ohne Job und lebt nun ein wenig angenehmer.
  • Möglichkeit 2: Ein emsiger Arbeitsuchender verschafft sich mit dem bedingungslosen Grundeinkommen ein Plus an Sicherheit. Vermutlich wird er bei der Jobwahl sorgfältiger und zögerlicher vorgehen. Eine echte Not einen Job zu finden, um sich ernähren zu können, entfällt.
  • Möglichkeit 3: Eine Person, die bereits ein gut gefülltes Bankkonto besitzt und/oder regelmäßige Einnahmen aus anderen Quellen bezieht, wird durch das Grundeinkommen mehr konsumieren oder sparen. Wirklich brauchen tut sie das Extraeinkommen nicht.

Sind alle drei Personengruppen besser vor einem Burnout geschützt? Wenn überhaupt, dann nur sehr bedingt und begrenzt. Warum? Weil ein Burnout andere Ursachen hat als Geldsorgen oder zu viel Arbeit. Primär hängt die Entwicklung eines Burnouts von der Persönlichkeitsstruktur und dem Umgang mit Stress, Konflikten und den Mitmenschen ab. Äußere Faktoren können es nur begünstigen.

Und: Nicht nur Menschen, die zu viel arbeiten, können einen so ausgeprägten Erschöpfungszustand entwickeln, sondern auch Menschen, die zu wenig zu tun haben. Gerade die letztgenannte Gruppe würde durch ein bedingungsloses Grundeinkommen zusätzlich ausgebremst. Jetzt gibt keinen äußeren Druck in Form von Geldnot mehr, regelmäßig zu arbeiten. Unfreiwillig oder freiwillig verharren sie in ihrem tatenlosen Zustand, der garantiert nicht glücklich macht.

Machen wir mit viel Freizeit mehr aus uns?

Das von den Befürwortern des Grundeinkommens propagierte Märchen der Selbstoptimierung dank mehr finanzieller Sicherheit und Freizeit geht langfristig nicht auf. Selbstoptimierung bezieht sich nämlich auf den Prozess der bewussten und zielgerichteten Verbesserung von individuellen Fähigkeiten, Eigenschaften oder Lebensbereichen. Es beinhaltet den Wunsch, das persönliche Potenzial voll auszuschöpfen und ein höheres Maß an Erfolg, Effizienz oder Zufriedenheit im eigenen Leben zu erreichen. Selbstoptimierung und Arbeitslosigkeit gehören somit nicht zwingend zusammen. Zum einen können wir uns auch im Rahmen unserer beruflichen Tätigkeit selbst optimieren und zum anderen kann die Arbeit essenzieller Teil der Selbstoptimierung sein.

Des Weiteren darf ein weiterer Aspekt nicht vergessen werden: Der Volksmund hat nämlich recht, wenn er meint, dass „wer rastet, der rostet“.

Durch ein Zuviel an Freizeit über einen zu langen Zeitraum wird der Einzelne in der Regel antriebsloser. Es fehlt ihm an Motivation, und zwar ganz gleich, ob es sich darum handelt, den Körper fit zu halten, sich geistig weiterzubilden oder sich für wohltätige Zwecke zu engagieren. Und wozu führt das? Der Mensch wird faul. Seine Freizeit ist von Tätigkeiten erfüllt, für die er weder Lob, Anerkennung noch Bestätigung erhält. Er hat nicht das gute Gefühl, etwas geschafft zu haben. Stattdessen fühlt er sich nutz- und wertlos, was wiederum ein wunderbarer Nährboden für einen Erschöpfungszustand inklusive Depression sowie Suchtkrankheiten ist.

Kurzum: Eine gesunde Work-Life-Balance kann tatsächlich mehr Zufriedenheit schenken. Schlägt die Waage jedoch zu stark in Richtung „Life“ bzw. Freizeit aus, schwächt dies die Zufriedenheit des Einzelnen und die Wirtschaftsleistung an sich. Der Unternehmergeist wird geschwächt, denn eine größere Menge an Bürgern wird sich dem Leistungsprinzip nun verweigern. Wieso überhaupt anstrengen? Warum noch Unternehmer und damit Zugpferd der Wirtschaft werden?

Aufgepasst: Wird weniger geleistet, fließen weniger Steuern in die Staatskassen und wer zahlt dann noch das Grundeinkommen?

Von wegen mehr Freiheit durch das Grundeinkommen

Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen, für das jeder anspruchsberechtigt sein soll, wird ein Plus an Freiheit versprochen. Aber stimmt das? Noch heißt es in der Propaganda zum Grundeinkommen, dass der Einzelne trotz Grundeinkommen arbeiten dürfte. Wie lange bleibt das so? Wie lange ist dies überhaupt möglich?

Darüber hinaus beschert ein bedingungsloses Grundeinkommen eine erhöhte Abhängigkeit vom Staat.

Diese Abhängigkeit ist der komplette Gegensatz zur Freiheit, was uns der praktizierte Sozialismus und Kommunismus in anderen Ländern seit Jahrzehnten deutlich vorlebt.

Ein weiterer wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang ist die fortschreitende Digitalisierung. Sie ebnet den Weg hin zu einer totalen Kontrolle des Einzelnen. Der Mix aus einer zusätzlichen Abhängigkeit vom Staat durch das Grundeinkommen mit der zunehmenden Digitalisierung ist ein Teufelskreis. Mit mehr Freiheit hat dies nichts zu tun.

Das bedingungslose Grundeinkommen verbessert nichts

Ein Teil der Bevölkerung hat einen so starken Arbeitswillen, dass er kein bedingungsloses Grundeinkommen von Geburt oder zu einem späteren Zeitpunkt braucht oder will. Die, die finanzielle Unterstützung bräuchten, erhalten sie bereits durch unseren Sozialstaat. Ob Bafög, Arbeitslosengeld, Wohngeld oder Sozialhilfe: In Deutschland ist die Auswahl an Unterstützungsleistungen für Bedürftige extrem hoch. Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist nicht erforderlich, sondern wird sich sogar durch ihre demotivierende Wirkung negativ auf die Wirtschaft auswirken.

Vor einem Burnout bewahren solche „leistungslosen Zahlungen“ auch nicht. Um Menschen davor zu schützen, ist es wichtiger, an ihrer Stressbewältigung zu arbeiten. Dies kann bereits im Kindergarten durch eine bessere, intensivere und individuellere Betreuung beginnen. Kinder müssen sich aufgehoben und verstanden fühlen. Parallel dazu brauchen sie Grenzen und einen gesunden Leistungsgedanken. Schulen, Ausbildungsstätten und Universitäten können hierbei ebenfalls einen wichtigen Beitrag leisten. Gleiches zählt für Arbeitgeber, die die Work-Life-Balance auf faire Weise fördern.

Letztlich reduziert sich jedoch alles auf einen Fakt:

Jeder Mensch ist dazu angehalten, sich selbst in Verantwortung zu nehmen und dafür zu sorgen, ein aufrechtes, sozialverträgliches Leben zu führen – und dies im Sinne des Gemeinwohls und mit einer gewissen Leistungsbereitschaft.

In einer Zeit, in der jeder seine Individualität lauthals akzeptiert wissen will und in der Kinder primär als Berufswunsch You-Tube-Star haben, bleiben der Gemeinsinn und der Arbeitswille auf der Strecke. Schützen tut dies vor einem Burnout nicht.

Und zum Schluss noch ein Blick in die Geschichte der Menschheit:

Bei genauerem Hinsehen wird man feststellen, dass alle großen Kulturen ihren eigenen Untergang dadurch beschleunigt haben, dass sie eine Gesellschaft mit "Brot & Spielen" bei Laune gehalten und ein aktives Beitragen zum Gemeinwohl durch den Einzelnen nicht gefördert haben. Jeder Unternehmer oder Sportler weiß, dass man nur durch harte Arbeit und eigene Disziplin etwas erreicht und dass Dinge, auf die man selber stolz ist, einem nicht einfach in den Schoß gelegt wurden.

Ein Hinweis in eigener Sache: Die hier angebotenen Informationen und Gedankenanstöße dienen lediglich der Orientierung und ersetzen keine qualifizierte, medizinische, heilpraktische oder anderweitige fachliche Beratung.

Weitere Informationen und Quellen zum obigen Thema:

Publiziert am
Jul 30, 2023
 in Kategorie:
Arbeitsplatz

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